Preußisches Band Gott muß müde gewesen sein, als er Dich machte Die sanften Hügel mit langsamer Hand ausbrachte Deine Weiten träumerisch mit allem betupfte Was er noch in seiner Kumme übrig wußte Große stille Wälder in tiefem Grün gesetzt Helle Sande mit lehmigem Sumpf benetzt Mank runde Steinchen, Heid' und kleine Seen Dort noch reiche fette Erde, glänzend schwer, Und Wiesen bis zum schaumigen Meer Hat dies noch mit goldnem Staub beschenkt Und einen Herzensstrom ganz hinein gelenkt Auch hellgrüne wilde Moore hat er ausgebracht Und Dich mit tiefblauen Riesenseen bedacht Alte Tiere in Urkraft waren da noch übrig Auch schnelle zähe Graue, ganz beliebig Die fand er, um sie forts bei Dir zu entlassen Denn alles kann in Deinem Garten wassen Zwei feine Striche noch mit dem Zeigefinger Und so warme Heime für die Fische immer Schließlich um alles noch in weitem Bogen Zwei große breite Ströme entlang gezogen Daß die Dich schützen mochten vor Zudringlichkeit Möglicher Nachbarn Neid, Unbild und Dreibastigkeit. Bei Dir hat er sich vor langer Zeit zur Ruh gelegt Herrjeh, nicht bemerkt, was um ihn vor sich geht Nicht Deiner Kinder Arbeit, Freude, Leid und Klagen Nicht Kriege, Cholera, Schwarzen Tod, Tartaren Jeden Stein haben sie einzeln geformt und gebrannt Für große rote Burgen gegen so vieler Feinde Hand Freund und Feind dabei zu unter***n War schwer im Unbestand zügelloser Zeiten Manche Klinge brach in des Freundes Rücken Doch keinem Täter darf so nichts glücken Graue Zeiten haben sie grob und hart gemacht Manche Mutter um ihr Puschekind gebracht Oft wurde ein Scheffel Roggen mühselig errungen Ein ***er Feind hat ihn so schnell entwunden Darum hat die lange Not die Kinder schließlich Zusammengeschweißt, preußisch unverdrießlich Immer wieder aufgebaut, Dein Gewand gehegt Dir blühende Felder und Chausseen darauf gelegt Haben sie Dir gegeben von ihrer Menschenart Und Du hast Sie dafür geprägt mit Deiner Art Mit Deinem sanften Reichtum hast Du ihnen Allmählich ihren weichen Kern gediehen Ganz weit und hubbrig warm die Frauenherzen Die Männer treu und grad wie Kirchenkerzen Land, Euer Nehmen und Euer Geben Kinder, dies Formen und dies Leben Solch Wirken durch die lange volle Zeit Hat ein unsichtbares Band Euch so geweiht Und auch wenn man Euch nun mit Gewalt zerrissen Verbindet's alle - selbst die, die's nicht wissen Denn Dein feinster gelber Materienstaub Ist in Deiner Kinder Seele fest eingebaut. Derweil aber Gott bei Dir schläft ist mir nicht so bang Petrus wird Dir darum unser aller Leben lang Von allem reichlich mehr als woanders geben Sonne, Wind, Eis, Schnee und Regen Darum strahlt Dein Himmel blauer Darum sind Deine Wasser klarer Deine Winter dauern lang, sind richtig Eis Die Sommer blumenreich und orndlich heiß Drum fliegt Adebar am liebsten zu Dir Und speist dann seine Kinder hier Jedes Jahr ist ihm kein Weg zu weit Zu Deiner still-langsamen Prächtigkeit So lange dies alles Petrus sorgsam tut Weiß ich, daß der Herrgott bei Dir ruht Bis er eines guten Tages endlich aufsteht Und mit den Menschen zu Gerichte geht Davor können die sich fürchten und zagen Die Deinen Garten plündern und umgraben Für sich nehmen was ihre Eltern nicht erschaffen Mit falschen Reden ihre Kinder sorglos machen Und die, die wes Wert sie nicht erraten Es in ***heit einfach nur zertraten Auch die, die sechs Tage ***fen und stehlen Am siebten schein heilig nicht in der Kirche fehlen Sie alle werden dann wohl nicht vergessen Und auch ich muß mich lassen messen Doch sollt' es sein, auch mein Leib wird dann verbrannt So weiß ich, ich tat alles gern für Dich, mein Heimatland. Jork Albat Ostland O du bist deutsch, wie meiner Adern Blut: Deutsch ist dein Herz, dein Wesen, Weg und Wollen, deutsch deiner Giebel Zier, der Herde Glut, und deutsch nun deine Not, dein Gram und Grollen. Deutsch hieß der Ahnen Arbeit, die hier schuf, deutsch der Geschlechter tausendjährige Teue, deutsch war, deutsch ist, deutsch bleibt dein Gottberuf: Genzmark zu sein, daß man die Heimat scheue. Deutsch ist der Ströme Fluten, deutsch das Schiff, das hafenwärts die reichen Frachten landet; deutsch ist das Meer, das jäh an steilem Kliff mit wildempörten Wellen brandet. Deutsch ist das Korn, das frei im Winde steht, deutsch sind die Seen, deutsch die Ackerkrume, deutsch ist die Wolke, die am Himmel geht, und deutsch der letzte Halm, die letzte Blume! Franz Lüdtke Grenzlandvolk Wir Grenzlandvolk, wir Notlandvolk, wir Volk aus tausend Wehen: In Blühen und Vergehen, im Herbststurm, der den Baum entlaubt, im Lenzsturm, Leuchten um das Haupt, wir säen, säen, säen, wir Grenz- und Notlandvolk. Wir säen Ernst und säen Kraft, wir Grenzlandvolk, wir Notlandvolk, und Korn bei Korn zu Halm und Saft, und säen saat, die Schicksal schafft, wir von der Grenze und der Not. So ewigher und ewighin wir Volk in Licht und glühen, wir wissen dienst und mühen und unseres Lebens letzten Sinn. wir sorgen nicht um Ruhm und Tand, wir säen Körner tief ins Land, wir säen freiheit, säen Brot, wir säen deutsches Morgenrot, wir von der Grenze und der Not. Franz Lüdtke Um weitere Beiträge wird gebeten. |