Das Schluckenauer Gebiet erlebt einen Andrang von Roma, es drohen ernste Probleme Den Ankömmlingen wurden zwei Mieten bezahlt, sie erhalten das Wohnungsdekret (Wohnberechtigungsschein) und die Stadtverwaltung ist verpflichtet sie zum Daueraufenthalt zu melden. Sie kann nichts dagegen machen. [Rumburk (Rumburg), Sluknov (Schluckenau)]
Nachts um eins hat den Herrn Miroslav Motl von Rumburk (Rumburg) Knirschen von Blech geweckt. Zwei Diebe versuchten gerade seine Dachrinne herauszuheben. Vom Hauseigentümer Motl gestört rissen sie aus. Sie haben nur geschafft die Kupferbrüstungen mitzunehmen. Nach Rumburg, Schluckenau und anderen umliegenden Städten Nordböhmens fluten hunderte anpassungsunfähige Bürger und die Ghettos fangen an zu entstehen. Der Rumburger Bürgermeister, Senator Jaroslav Sykàcek, spricht über Exodus von Roma und über den drohenden Sicherheits- und Sozialkollaps der Region und verzweifelt bittet er die Regierung um Hilfe.
Miroslav Motl hat den Angriff der Metalldiebe einmal für immer gelöst. „Die Kupferdachrinnen habe ich abgenommen und in die Sammelstelle weggeschaft.“ Auf dem Dach hat er jetzt Plastikröhren. „Die Anpassungsunfähigen kommen – es droht hier das Lynchen“ Die Anzahl der Bestohlenen nimmt zu und der Rumburger Bürgermeister Sykàcek vermutet, daß das mit der Zunahme der Zuzügler zusammen hängt. In Rumburg mit 11.000 Einwohnern betrug der Zuwachs im Vorjahr 1.200 Personen und in diesem Jahr weitere 1.160. „90% davon sind Roma und anpassungsunfähige Bürger“, schätzt Sykàcek. „Die Sicherheitssituation in unserer Region wird immer schlimmer, die Anzahl der Zuzügler erschreckt mich“, ergänzt er. Die Neuankömmlinge bewohnen einige Lokalitäten im Stadtzentrum. „Bis um 4 Uhr früh sind dort Feten, die Leute können nicht schlafen und die Neuen lachen sie noch aus, daß sie arbeiten gehen. Die in die Schule laufenden Kinder halten sie an und wollen von ihnen das Geld, das sie für das Vesperbrot haben. Sie klauen alles Metallische oder auch Holz, sogar die Wäsche von der Leine“, sagt Gabriela Dousovà aus dem Rumburger Rathaus. Einer der Ankömmlinge hat die Grundschulleiterin angegriffen. Wegen ihrer Angriffe mußte die Sozialabteilung an die Alarm-Notruf-Zentrale angeschlossen werden. Der Knopf für das Polizistenrufen wird hier fast täglich gedrückt. Auch am Dienstag, wo ein Roma eine Sozialarbeiterin mit dem Tod bedroht hat, weil sie ihm die Sozialhilfe nicht anerkannte. Die Stadtpolizisten mußten ihn ruhigstellen. „Wenn ich über Sozialkollaps rede, meine ich damit, daß die Leute wirklich die Schnauze voll haben und ich befürchte, daß sie die Stangen rausziehen werden und es kommt zum Lynchen“, warnt Sykàcek. Die Sicherheitskrise, seiner Meinung nach, droht infolge der geplanten Kürzungen aus dem Innenministerium. Das Dèciner (Tetschener) Gebiet soll in diesem Jahr 66 Polizisten verlieren, sagt Sykàcek. „Über die Zahl wurde noch nicht endgültig entschieden,“ entgegnet die Leiterin der Deciner (Tetschener) Polizei Alice Zemanovà. Sie gibt jedoch zu, daß das Dèciner (Tetschener) Gebiet im Gegenteil wenigstens 30 Polizisten mehr benötigt. Vor einer Woche, nach der Verhandlung der Bürgermeister des Schluckenauer Zipfels hat Sykacek einen Brief an den Premier Petr Necas gerichtet. Er bittet ihn die Zahl der Polizisten im Dèciner (Tetschener) Gebiet mindestens zu erhalten. Dreifacher Zuwachs der Kriminalität Noch schlimmer ist die Situation in Schluckenau, wo die Kriminalität dreifach gestiegen ist. „In den vier ersten Monaten dieses Jahres wurden in Schluckenau 41 Einbrüche und 31 Diebstähle gemeldet, im Vorjahr im selben Zeitraum insgesamt 27. Die Gesamtkriminalität stieg von 66 Fällen im Vorjahr auf diesjährige 115 ,“ sagt der Sprecher der Dèciner Polizei Vojtech Hanka. Innerhalb des letzten Halbjahres sind ungefähr 300 neue Leute dazugekommen. Die Stadt muß sie annehmen. Gewöhnlich haben sie zwei, drei Mieten bezahlt, sie erhalten ein Wohnungsdekret und die Stadtverwaltung ist laut Gesetz verpflichtet sie zum Daueraufenthalt zu melden,“ sagt die Bürgermeisterin von Schluckenau Frau Dzumanovà. Aber vielleicht schon im Laufe des dritten Monats kommen sie samt den Kindern zum Sozialamt, daß sie kein Geld fürs Brot haben und bitten um die Sozialhilfe in materieller Not, um Wohngeld oder um eine andere städtische Wohnung,“ ergänzt sie. Das Haus mit den Wohnungen für Asoziale ist jedoch schon voll. In der Stadt gibt es Probleme vor allem mit einer Siedlung. Vierzehn dortige Häuser kaufte der Unternehmer Pavel Zeithammer aus Teplice (Teplitz). „Ich vermute, daß die Umsiedlung der Anpassungsunfähigen in das Gebiet des Schluckenauer Zipfels organisiert ist,“ sagt Eva Dzumanovà. „Die hiesigen Häuser sind schon unverkäuflich.“ Der Hauseigentümer behauptet, daß er die Romas hier nicht zusammenzieht, sondern vielmehr er versucht die Siedlung zu sanieren. Deshalb habe er ein Haus leergemacht und die Einwohner in die übrigen Häuser verteilt. Laut der Bürgermeisterin stammen die Neuankömmlinge aus Litvinov (Oberleutensdorf), Varnsdorf (Warnsdorf), Teplice (Teplitz), Semily (Semil) und anderen Orten Nordböhmens. Die Angaben hat sie vom Meldeamt. Auch der Bürgermeister von Rumburg, Herr Sykàcek, vermutet, daß die Roma nach Rumburg und Schluckenau organisiert umgesiedelt werden. Als die Hauptlokalität erwähnte er drei hohe Plattenhäuser am Rande des Marktplatzes. „Weil sie im desolaten Zustand sind, wurden sie in der Vergangenheit von einigen Mietern verlassen und die weiteren verschwanden, wenn die Roma anfingen nach hier umzusiedeln,“ sagt der Bürgermeister. Aus welchem Grund könnte der Hauseigentümer eigentlich die Sozialschwachen ansiedeln wollen? Laut Sykàcek wegen dem vom Staat gesicherten Wohngeld, das die Mieter kurz nach dem Einziehen beantragen. „Oder der Eigentümer kann den Wert seines Hauses z.B. in Teplice (Teplitz) steigern; wenn er von dort die unbequemen Mieter auf die Peripherie loskriegt," überlegt Sykàcek. Die Häuser sind im Besitz der Familie von Herrn Pavel Matucha aus Teplice (Teplitz). „Ich ziehe keine Roma nach hier, vielmehr rufen sie an, aber ich gebe ihnen keine Wohnung. In allen drei Häusern sind nur acht Roma-Familien und in die Häuser haben wir über 5 Millionen Kronen investiert,“ sagte Matucha. Dabei wimmelte am Dienstag die Umgebung dieser Häuser von Roma. „Das waren die aus den benachbarten Spielbänken“, behauptet Matucha. Die Roma selber haben das Gespräch mit dem Redakteur der Zeitung „Mladà fronta DNES“ abgelehnt. Die Bürgermeister sehen eine Chance in einer Gesetzesänderung. „Wir möchten die Möglichkeit haben, aufgrund von Vandalismus oder wiederholten Diebstählen die Betroffenen auszuweisen und ihnen den Aufenthalt in der Stadt zu verbieten,“ sagt Sykàcek. „Die Leute sind der Verzweiflung verfallen. Hier ist eine hohe Arbeitslosigkeit, die Touristen können wir nur auf die herrliche Natur locken, aber diese Probleme sind keine gute Werbung,“ ergänzt die Bürgermeisterin Dzumanovà. Artur Janousek [Mladà fronta DNES, 9.6.2011 / Ausgabe für Nordböhmen] |