Ostdeutschland wird weiter ausgelöscht! Neuer Name für die „Ostdeutsche Galerie“? Deutschlandradio Kultur: „Andrea Madesta, Direktorin des „Kunstforums Ostdeutsche Galerie“ in Regensburg, sagt, daß der Name 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht mehr zeitgemäß sei.“
Das „Kunstforum Ostdeutsche Galerie“wird von einer gleichnamigen Stiftung getragen, die 1966 gegründet wurde. 1970 bezog das Museum ein eigenes Domizil in der erweiterten Jugendstil-Kunsthalle im Stadtpark von Regensburg. Seit 1980 umfaßt das attraktive Museumsensemble vier Baukomplexe mit einer Ausstellungsfläche von 2.500 Quadratmetern. Als Träger der Stiftung fungieren heute die Bundesrepublik Deutschland, die Stadt Regensburg und der Freistaat Bayern. Die rechtliche Grundlage für das Wirken der Stiftung und des Museums in Regensburg ist Paragraph 96 des Bundesvertriebenengesetzes von 1953. Er regelt offiziell "die Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge" und soll durch die Kunst die Erinnerung an deutsche Siedlungsgebiete jenseits von Oder und Neiße (also Ostdeutschland!) wach halten. Anläßlich des 40. Jubiläums des Museums sagte Madesta im Deutschlandradio: "Dies ist eine Zuschreibung, die intern und programmatisch nicht mehr im Zentrum steht." Das Museum zeige heute eine breite Palette mittel- und osteuropäischer Kunst. Dieses Segment werde durch den Namen der Galerie aber ausgeblendet. Das irritiere auch die Besucher. Um Aussagen wie diese zu verstehen und einordnen zu können, ist es angebracht, sich mit der Person Madesta näher zu befassen! Andrea Madesta wurde 1964 in Fürth geboren und studierte Architektur, Literatur- und Kunstgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg, wo sie 1993 auch ihre Magistra artium erwarb. 1999 promovierte sie bei Prof. Susanne von Falkenhausen an der Berliner Humboldt-Universität mit einer kunstgeschichtlichen Arbeit über Ernst Ludwig Kirchner: „Alle Kunst ist symbolisch – Kirchners Selbstinszenierung als Repräsentant der modernen Kunst“. Bei Kirchner handelt es sich um einen Menschen von labiler geistiger Konstitution, der von Depressionen und Nervenzusammenbrüchen gekennzeichnet war. Zu Beginn des 1. Weltkrieges meldet er sich als Freiwilliger zum Kriegsdienst. Dort findet er Verwendung als Fahrer in einem Artillerieregiment, gehört also nicht unmittelbar zur kämpfenden Truppe. Nach einem körperlichen und seelischen Zusammenbruch begibt sich Kirchner zur Behandlung in ein Sanatorium bei Königstein (Taunus). Es folgt der Ausschluß aus der Armee. 1915 malt er sich selbst als Soldat mit fiktivem Armstumpf und nackter Prostituierter. 1917 erfolgt seine Übersiedlung nach Davos. Kirchner übermalt alte Bilder und datiert sie vor, um seine „kunsthistorische Position anders zu akzentuieren“. 1926 reist Kirchner nach Deutschland, wo er unter Depressionen und Schwächeanfällen leidet. 1937 werden 32 seiner Werke in der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt. 1938 begeht er Selbstmord. In dieser „Kunstwelt“ fühlt sich Andrea Madesta sichtlich wohl. Vor ihrer Tätigkeit für das „Kunstforum Ostdeutsche Galerie“ leitete sie das „Museum Moderner Kunst Kärnten“ (MMKK) in Klagenfurt. Ihre Zeit in Kärnten ist geprägt von ständigen Querelen, Streitigkeiten und Zerwürfnissen, die sich am Ende auch in sinkenden Besucherzahlen widerspiegeln. In einem Interview stellt Madesta resignierend fest: "Ich kriege keine namhaften Künstler mehr.“ 2008 las man in österreichischen Zeitungen, daß es Ärger mit dem schlichten Kunstgeschmack der Kärntner Landeskulturabteilung gegeben haben soll, die vom BZÖ, dem Bündnis Zukunft Österreich, dominiert wird. Das BZÖ ist der stärkste Koalitionspartner in der Kärntner Landesregierung und wurde von dem 2008 tödlich verunglückten Jörg Haider gegründet. In der österreichischen „Kleinen Zeitung“ bekannte sie: „Als dann auch noch der Begriff "Zickenkrieg" aufgetaucht ist, war ich sehr betroffen, weil ich auf diesem Level einfach nicht gesehen werden will.“ Und weiter heißt es: „Da entstehen zwangsläufig Spannungen, die ein friedliches Miteinander per se ausschließen.“ Inzwischen trat die gebürtige Klagenfurterin Christine Wetzlinger-Grundnig als Leiterin des MMKK die Nachfolge von Andrea Madesta an, die Kärnten fast fluchtartig verlassen hatte. Auf einer Pressekonferenz gab Landeskulturreferent Harald Dobernig bekannt: „Die Entscheidung ist uns sehr leicht gefallen, auf Grund der fachlichen Kompetenz, aber auch auf Grund der menschlichen Komponente". Er zeigte sich überzeugt, daß Christine Wetzlinger-Grundnig dem MMKK "wieder Ruhe und Stabilität bringen" werde, und das mit einem deutlich anderen Kurs als ihre Vorgängerin. Madesta war während der Pressekonferenz ständig präsent: als „Negativschablone, von der man sich demonstrativ distanzierte“. Das MMKK solle "vor Ort wieder besser positioniert werden und als führende Kunstinstitution in Kärnten anerkannt werden", kritisierte Wetzlinger-Grundnig indirekt ihre Vorgängerin. Speziell die "rückläufigen Besucherzahlen" zeigten, "daß man hier mit ausschließlich internationaler Orientierung nicht sehr weit kommt". Vielmehr sehe sie die Kernaufgaben ihrer Institution im "Bildungsauftrag" sowie in der Förderung junger Kärntner Kunst. Dies wolle sie etwa mit Themenausstellungen umsetzen, bei denen Arrivierte neben Nachwuchskünstlern präsentiert werden sollen. Als weitere Änderungen kündigte sie an, daß man künftige Ausstellungen durchwegs "selbst erarbeiten" und Forschungslücken der vergangenen Jahre (Digitalisierung der Sammlungsbestände usw.) schließen wolle. Für die Ostdeutsche Galerie in Regensburg bleibt nur zu hoffen, daß sich Frau Madesta wieder schleunigst auf die Flucht begibt, vielleicht sogar vor aufgebrachten Besuchergruppen, die ihr eindeutig klar machen: So nicht Frau Madesta! Quellen: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1226981/ http://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/klagenfurt/2271759/neue-chefin-fuer-mmkk.story http://www.basis-wien.at/avdt/htm/106/00069994.htm http://www.kunstgeschichteportal.de/kunstgeschehen/?id=2750 http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10028&pk=398713&p=1 http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/2110131/ex-mmkk-chefin-andrea-madesta-interview.story http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/KirchnerErnstLudwig/index.html http://www.artmagazine.cc/content43014.html |